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NRZ Kleve | 29.03.2017 | Seite 3

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Bienenvölker brauchen Hilfe

Es fehlt ihnen an Nahrungsvielfalt und auch der Chemieeinsatz in der Landwirtschaft macht ihnen schwer zu schaffen. Imker schlagen Alarm

Berlin/Niederrhein. Sie fliegen wieder – doch es sind weniger als erhofft: Nur rund 650 000 Bienenvölker sind durch den Winter gekommen, die rund 110 000 deutschen Imker beklagen einen massiven Völkerschwund, stellenweise seien 70 Prozent der Bestände verloren. Als Ursache sehen Experten vor allem zwei Faktoren: Die Bienen seien geschwächt, weil die konventionelle Landwirtschaft kaum noch Nahrungsvielfalt biete. Gleichzeitig seien die Völker durch Insektizide belastet. Beides zusammen macht die Bienen anfällig – etwa für Milben und andere Schädlinge. Der Deutsche Imkerbund forderte gestern die Politik zu mehr Engagement für Bienen auf.

Zu milde Winter

Dem kann sich Stefan Loth nur anschließen. Der 54-Jährige aus Pfalzdorf bei Goch am Niederrhein ist leidenschaftlicher Imker und nennt 40 Bienenvölker sein eigen. In diesem Jahr haben seine Bienen den Winter gut überstanden, was auch bei aller Erfahrung nicht selbstverständlich sei. Neben Umweltgiften und fehlenden Nahrungsquellen hat Loth auch den Klimawandel mit zu milden Wintern als Risikofaktor für Bienen ausgemacht.

Normalerweise überwintern Bienen in einer „Winterkugel“. Fällt die Temperatur draußen unter fünf Grad, bilden sie einen Ball, wärmen sich so gegenseitig und ruhen. „Aber wir haben im Winter immer mehr Tage, an denen es acht oder zehn Grad warm ist“, sagt Loth. Dann verlassen Bienen die Kugel, schwärmen aus, verkühlen sich „sehr schnell“, finden gleichzeitig keine Nahrung, weil im Winter ja nichts blüht. Sie sterben.

Durch Milben hat Loth in der Vergangenheit ein Volk verloren und ist „gut damit bedient“: „Ich kenne Imker, die haben von 80 Völkern 45 als Verlust gemeldet“, sagt er. Die aus Asien eingeschleppten Varroamilben befallen vor allem geschwächte Bienen und sind gleichzeitig Einfallstor für weitere Viren und Bakterien, die die Biene befallen und töten.

Geschwächt seien Bienen aber vor allem dadurch, dass sie nicht mehr genug Nahrung finden und gleichzeitig „mit Dingen aus der chemischen Industrie in Verbindung kommen, die ihnen schaden“. Wenn man in einem bestimmten Zeitraum jeden Tag tote Bienen vor den Kästen finden würde, in dem auf den umliegenden Feldern gerade etwas gespritzt worden sei, dränge sich ein Zusammenhang ja geradezu auf.

„Wir brauchen eine neue Agrarreform“, verlangte auch Imkerpräsident Peter Maske zum Auftakt der ersten internationalen Bienenkonferenz in Berlin. Die Landwirtschaft müsse stärker zu pflanzlicher Vielfalt und ökologischem Anbau verpflichtet werden: „Die wollen nicht nur Raps. Die wollen auch Löwenzahn oder Wildkirsche“, so Maske. Und: Insektizide, die für Bienen nachweislich schädlich seien, wie die Neonikotinoide, müssten verboten werden.

Ohne Bienen geht nichts in der Ernährungswirtschaft: Rund 80 Prozent der heimischen Pflanzen müssen bestäubt werden, damit sie sich fortpflanzen, Obst und Gemüse liefern können. Allein der wirtschaftliche Nutzen der Bestäubungsleistung wird in Deutschland auf jährlich mindestens zwei Milliarden Euro geschätzt.

„Bienenvölker in der Nähe einer Apfelplantage erbringen 60 Prozent mehr Ertrag“, weiß auch Stefan Loth. Oder – bienenbestäubte Kürbisse würden größer und hätten mehr Samen, was wiederum ein Mehr an Saatgut brächte: „Die Landwirtschaft braucht die Imkerei“, sagt Loth. „Honig ist da fast ein Nebenprodukt.“

Tote Kieswüsten statt Vorgärten

Auf den Appell des Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) an die Bürger, den Bienenschutz zu verbessern, blickt Loth mit gemischten Gefühlen. Das Ministerium will mit Hilfe einer neuen Internetseite Hobbygärtner im Beet und auf dem Balkon animieren, bienenfreundliche Umgebungen zu schaffen. „Da sterben die Bienen im großen Stil und er reagiert mit Blumenpflanzen“, sagt Stefan Loth.

Gleichwohl – der Trend vieler Hausbesitzer, aus blühenden Vorgärten ebenso ordentliche wie tote Kieswüsten zu machen, findet auch Stefan Loth „geradezu lebensfeindlich“. Und so schön die gerade moderne Heidekraut-Züchtung auch leuchtet, die sich mehr als ein halbes Jahr hält: „Bienen verhungern daran. Denn die Pflanze hält deshalb so lange, weil sich die Knospen nicht öffnen!“